Die 36. Landesweite Kunstschau des BBK Mecklenburg-Vorpommern unter dem Titel „Hochstapeln“ widmet sich dem Spannungsfeld von Identität und Raum sowie der Rolle von Kunst und Kultur in öffentlichen Räumen. Los geht's am 10. Mai in Güstrow.
Die Ausstellung ist bis 12. Juli in der Städtischen Galerie Wollhalle Güstrow, in der Getrudenkapelle und auf dem Areal bzw. der Grünanlage der Gertrudenkapelle (Gertrudenplatz 1) zu erleben.
Ort:
Gertrudenplatz 1, 18273 Barlachstadt Güstrow | Städtische Galerie Wollhalle, Franz-Parr-Platz 9, 18273 Barlachstadt Güstrow
KÜNSTLERIN:
u. a. Christin Wilcken, Thomas Häntzschel
Kuratorin:
Dr. Maryna Streltsova
PROJEKTMANAGEMENT:
Robert Günther
SCHIRMHERRSCHAFT:
Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin des Landes Mecklenburg-Vorpommern

Christin Wilcken, Stalakit/Stalagmit (Teil 1), 2026 © Christin Wilcken/ VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Foto: Christin Wilcken
Ausgangspunkt der Ausstellung ist die Beobachtung, dass unsere Lebensräume durch Schichtung entstehen: Funktionen, Erinnerungen, Erwartungen und Bedeutungen überlagern sich und verdichten sich zu Räumen, die wir bewohnen, durchqueren und erleben.„Hochstapeln“ versteht diese Verdichtungen nicht nur als bauliche oder räumliche Phänomene, sondern als Prozesse, die Wahrnehmung, Zugang und Teilhabe strukturieren.

Linda Perthen, Dépôt désolé (untröstliches Depot), 2026
“50 Positionen. ZWEI Orte. Ein Titel, der Programm ist: Hochstapeln. Meinen die das ernst oder stapeln sie hoch? Beides. Die Gegenwartskunst aus MV ist gerade in Güstrow."


Ulrich Bittmann, Die Behauptung, 2026, Öl, Acryl auf Leinwand

Joseph A. Kutschera, Die Durchdringung einer Transformation, 2025, Faltdarstellung
In der zeitgenössischen Kunst wird Raum häufig selbst zum Material. Er wird nicht lediglich dargestellt, sondern als Erfahrung, Situation oder Prozess erfahrbar gemacht. Der erweiterte Raumbegriff umfasst dabei auch soziale Gefüge, Machtstrukturen und Fragen der Sichtbarkeit – insbesondere dort, wo Verdichtung in Ausgrenzung umschlägt oder Zugänge ungleich verteilt sind.
Vor diesem Hintergrund begreift die Ausstellung die gebaute Umwelt nicht als neutrale Kulisse, sondern als Teil kultureller und gesellschaftlicher Prozesse. Planung, Aneignung und Nutzung von Raum sind gesellschaftliche Entscheidungen, in denen sich unterschiedliche Lebensrealitäten widerspiegeln – etwa im Spannungsfeld zwischen städtischen und ländlichen Räumen sowie im Hinblick auf die Erreichbarkeit kultureller Infrastruktur in peripheren Regionen. In Anlehnung an die Davoser Erklärung zur Baukultur (2018) wird Bauen als kultureller Akt verstanden, der Räume für Kultur schafft und bewusst öffnen muss.
„Hochstapeln“ versteht Kunst als Reflexionsraum innerhalb gesellschaftlicher Transformationsprozesse. Gesucht werden künstlerische Positionen, die bestehende Raumordnungen und Machtverhältnisse befragen, Wahrnehmung schärfen und alternative Lesarten von Raum eröffnen – auch dort, wo öffentliche Räume als Konfliktzonen verhandelt werden. Im Fokus stehen nicht planerische oder architektonische Lösungen, sondern künstlerische Haltungen.
Eingeladen wird dazu, Raum nicht als gegeben hinzunehmen, sondern als etwas zu begreifen, das gestaltbar ist – und das zugleich Wahrnehmung und Handeln formt.

Maria Elise Raeuber, Wild Weather (aus der Serie "Silks Curtains", 2026, Federzeichnung, farbige Tusche auf japanischen Schreibpapier

Thomas Häntzschel, Glaubensräume, 2023, analog Fotografie ©/Foto: Thomas Häntzschel

Künstlerin Susanne Ring in ihrem Atelier © Susanne Ring/VG Bild-Kunst, Bonn 2026
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