Literaturkonzert: Deutschland, siehst du das nicht? – Untergang der Weimarer Republik (1929–1933)

Die letzten Jahre der Weimarer Republik: eine Zeit zwischen künstlerischer Blüte, politischer Radikalisierung und wachsender Gewalt. In ihrem Literaturkonzert „Deutschland, siehst du das nicht? – Untergang der Weimarer Republik (1929–1933)“ zeichnen der Schauspieler Roman Knižka und das Bläserquintett OPUS 45 ein eindringliches Panorama dieser dramatischen Jahre.
Knižka verleiht den Stimmen der Zeit eine unverwechselbare Präsenz – mit Texten von Erich Kästner, Kurt Tucholsky, Mascha Kaléko oder Victor Klemperer. Zwischen Hoffnung, Ironie und wachsender Verzweiflung entsteht ein literarisches Zeitbild, das heute überraschend gegenwärtig wirkt. Die Musik – von Hanns Eisler, Kurt Weill und Erwin Schulhoff bis hin zu Cole Porter und den Comedian Harmonists – lässt die kulturelle Vielfalt und die Spannungen dieser Jahre eindrücklich lebendig werden.
Ein besonderes Kapitel widmet sich Güstrow in den Jahren 1929 bis 1933. Im Zentrum steht dabei Ernst Barlach, dessen Werke und Haltung exemplarisch für die künstlerische Freiheit der Weimarer Republik – und deren zunehmende Bedrohung – stehen. In seinen Briefen dieser Jahre wird deutlich, wie sehr er sich als Künstler „aus der Kehr des Zeitgemäßen“ empfand und zugleich unter wachsender politischer Anfeindung stand. Diffamierungen, Denunziationen und gezielte Kampagnen gegen seine Person und seine Kunst zeigen exemplarisch, wie früh demokratiefeindliche Kräfte begannen, kulturelle Stimmen zu delegitimieren. Auch die Ablehnung seiner Arbeiten durch nationalistische Kreise und die Hetze gegen ihn verdeutlichen, wie eng künstlerische Freiheit und politische Entwicklung miteinander verflochten waren. Anhand dieser Entwicklungen wird greifbar, wie politische Radikalisierung und die Verdrängung unbequemer Kunst auch vor Ort den Alltag veränderten – und wie schnell eine offene Gesellschaft ins Wanken geraten kann.
Gerade darin liegt die beklemmende Aktualität des Programms: Die Texte und die Musik stellen unausweichlich die Frage, was wir aus der Geschichte gelernt haben – und welche Verantwortung jede Generation trägt, wenn demokratische Werte unter Druck geraten.
Das Bläserquintett von OPUS 45 besteht aus Musikerinnen und Musikern der Hamburgischen Staatsoper, der Dresdner Philharmonie, des Beethoven Orchesters Bonn und der NDR Radiophilharmonie Hannover. Gemeinsam mit Roman Knižka verbinden sie Literatur und Musik zu einem intensiven Konzerterlebnis – klug, bewegend und hochaktuell.
Für ihre künstlerische Erinnerungsarbeit wurden Roman Knižka und OPUS 45 zuletzt mit dem Hans-Frankenthal-Preis des Auschwitz-Komitees ausgezeichnet.
Das Konzert findet am 7. Juni (Sonntag) um 17 Uhr in der Gertrudenkapelle statt.
Der Eintritt ist frei – ermöglicht durch die Unterstützung der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern. Freiwillige Spenden sind willkommen.